Kollektiv. Zusammen. Zusammen wollen wir uns auf die Suche machen, wie ein emanzipatorisches Zusammen aussehen kann.

Das Zusammen-Sein. Es gibt bestehende Kollektive, in denen Menschen miteinander verbunden sind, die Identitäten bereitstellen, die angenommen werden können. Solche bestehenden Kollektive und die positive Bezugnahme auf sie können:

...explizit anti-emanzipatorisch sein. Nämlich dann, wenn diese Kollektive eine Herrschaftsposition oder Hegemonie haben, wie etwa das Kollektiv der Weiß-»Deutschen«, der Männer oder einer »kommunistischen Partei« nach einer geglückten Revolution.

 ...aus einer Marginalisierungs- und Ausgrenzungserfahrung wichtig und heilsam sein, um die Rückschläge des Alltags zu verkraften und schöne Momente zu erleben. Dies können etwa migrantische oder religiöse Communities, Hippiekommunen oder subkulturelle Szenen sein.

Doch auch diese letzteren Kollektive sind nicht per se emanzipatorisch. Nach unseren Überlegungen ist ein starres Kollektiv nur schwer emanzipatorisch, da es Menschen kollektiviert, ihnen eine Identität verleiht und nur den Teil von ihnen anerkennt, der für das Kollektiv nützlich ist. Diese Kollektive sind oft Selbstzweck. Kollektive, die in der eigenen Tradition verharren, anstatt sich mit der umliegenden Welt zu verbinden und diese mit dem gewonnenen Wissen über sich hinaustreiben.

Dieser Integration, dem Sich-Einfügen in ein Sein, möchten wir das Sich-Kollektivieren, das Werden, als Alternative zur Seite stellen.

Diesen Prozess des Kollektiv-Werdens können wir von Frauen*- und People of Color-Gruppen lernen, welche analysiert haben, dass sie sowohl in linken Gruppen wie auch in eigenen Communities von gewaltvollen Herrschafts- und Disziplinierungsmechanismen beherrscht oder ausgegrenzt werden. Diese Erfahrung macht es notwendig, eigene Kollektive zu bilden, in denen Subjektivitäten, die oft auch widersprüchlich sein können, erprobt werden können, die nicht durch vorherrschende Normen reguliert werden.

Doch es gibt auch viele linke Gruppen und Szenen, die sich nicht auf Basis solcher gemeinsamer Betroffenheit (Kapitalismus mal ausgeschlossen) konstituieren. Diese, oft weiß-dominierten, Kollektive haben oft kein Wissen darüber, wie mit inneren Widersprüchen umzugehen ist, während es für Nicht-Weiße oft eine Überlebensstrategie ist, mit eigenen Widersprüchen und solchen innerhalb eines Kollektivs umzugehen, da sie bei einem Ausschluss nicht auf den Rückhalt der hegemonialen Mehrheitsbevölkerung zählen können, in die sie sich einfach eingliedern könnten.

Bei weiß-dominierten Kollektiven kann sich daher viel leichter eine Frontenbildung (autoritäre Kommunist*innen vs. Anti-Autoritäre, Anti-Deutsche vs. Anti-Imperialist*innen, etc.) einstellen, da sich die Individuen viel einfacher in bestehende weiße Kollektive eingliedern können, die die gleiche Meinung wie sie selber vertreten und in denen ihr bloßes Sein gar nicht in Frage gestellt wird.

Solche Spaltungen sind freilich nicht per se schlecht, da ihnen oft eine berechtigte Kritik zugrunde liegt. Doch wenn sich die Fronten verhärten und sich ein starres Sein durchsetzt sind Werdungsprozesse schwer bis unmöglich. Dann stellt sich der Zustand des oben beschriebenen starren Kollektivs ein, das den Menschen eine vollständige Identität und Ideologie zur Verfügung stellt, in die sie sich einfügen können oder bei Nicht-Einfügen aus den Kollektiven ausgeschlossen werden.

Das soll kein Aufruf zur Bildung von rassistischen, antisemitischen oder (links-)nationalistischen Querfronten sein. Vielmehr möchten wir für Prozesse des gemeinsamen Fühlens, Lebens und Denkens plädieren, in denen unter Rücksicht auf die herrschenden Gewaltverhältnisse miteinander umgegangen wird und in denen wir uns miteinander synchronisieren können.

 

CaliKyroCrew