An den Schwankenden

Du sagst: Es steht schlecht um unsere Sache.

Die Finsternis nimmt zu. Die Kräfte nehmen ab.

Jetzt, nachdem wir so viele Jahre gearbeitet haben Sind wir in schwierigerer Lage als am Anfang.

Der Feind aber steht stärker da denn jemals.

Seine Kräfte scheinen gewachsen. Er hat ein unbesiegliches Aussehen angenommen.

Wir aber haben Fehler gemacht, es ist nicht zu leugnen. Unsere Zahl schwindet hin.

Unsere Parolen sind in Unordnung. Einen Teil unserer Wörter Hat der Feind verdreht bis zur Unkenntlichkeit Was ist jetzt falsch von dem, was wir gesagt haben Einiges oder alles?

Auf wen rechnen wir noch? Sind wir Übriggebliebene, herausgeschleudert Aus dem lebendigen Fluß? Werden wir Zurückbleiben Keinen mehr verstehend und von keinem verstanden?

Müssen wir Glück haben?

So fragst du. Erwarte Keine andere Antwort als die deine!

Bert Brecht

Aufruf der SHI:

Wir haben vor, den nächsten Diskus in eigener Redaktion herauszubringen, weil wir glauben, daß es gerade jetzt wichtig ist, die Diskussion um die Perspektiven linker Politik — vor allem an der Universität — in einem größeren Rahmen zu führen.

Die Parole “Schafft Öffentlichkeit” kann für uns nicht nur heißen, uns an die “Bevölkerung”, die Presse etc. außerhalb der Uni zu wenden. Es geht insbesondere auch dämm, innerhalb der Uni-Linken in der ganzen BRD Öffentlichkeit und in der Institution Uni Gegenöffentlichkeit herzustellen .

Der thematische Schwerpunkt der nächsten Ausgabe müßte sein: PERSPEKTIVEN EINER POLITISCHEN OFFENSIVE AN DER UNI.

Wir wissen/vermuten/hoffen, daß es an der Uni eine Vielzahl verschiedener Gruppen oder Grüppchen gibt, von eieren Existenz niemand etwas erfährt.

Gruppen, die Aktionen vorbereiten,Gruppen, die Wissenschaftskritik machen, Fachschaften, Studienkollektive, Frauengruppen, Seminarsprenggmppen, Prüfungs(unterwanderungs-)kollektive usw. usf.

Es wäre unheimlich interessant, wenn alle diese Gruppen (nicht nur in Ffm.) mal ihre Ideen zu Papier bringen täten.

Wir finden im Moment v.a. zwei Hauptgesichtspunkte der Diskussion wichtig: a) Analysen und Einschätzungen der derzeitigen Entwicklung der Uni (auch im gesellschaftlichen Zusammenhang), die darüber hinausgehen, ständig nur Gesetzes- und Repressionsverschärfungen zu konstatieren, zum BEISPIEL: — Funktion der Uni (Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften, Parkstudium Auffangbecken für Arbeitslose etc.) evtl. Funktionswandel., rationaler Diskurs — Verhältinis von staatlichem Reformismus, Integrationsstrategien, Reformismus von linken/liberalen Profs in der Demokratischen Opposition und unser Verhältnis dazu — etc. pp.

b) und das liegt uns besonders am Herzen: konkrete Vorschläge und Ideen für Aktionen, Veranstaltungen, Projekte etc. zu sammeln.

Wir haben die ewigen Lamentos über die Perspektiv-, Ausweg-, Substanz- und andere -Losigkeiten satt!!! Das heißt nicht, daß Schwierigkeiten unterschlagen werden sollen, das Hauptgewicht sollte aber auf positiven Vorschlägen im Zusammenhang mit einer OFFENSIVE liegen.

Jammern bringt uns keinen Schritt weiter!

Also: Tut eure Ideen kund, auch wenn sie noch so vage sind. Wir müssen wieder experimentieren, die vertrockneten Schlagworte aufknacken, uns neue Formen der Auseinandersetzung zu eigen machen!

Es kann unserer Meinung nach nicht (nur) dämm gehen, eine einheitliche Strategie für den “Hochschulkampf ’ oder ähnliches zu entwickeln. Dazu sind die Unterschiede an den verschiedenen Unis, den verschiedenen Fachbereichen, den verschiedenen Disziplinen (!) zu groß: Die Politische Strategie von Naturwissenschaftlern kann eine andere sein als die von Geistes- und Gesellschaftswissenschaftlern, die. von praxisbezogenen Wissenschaften (Pädagogik, Jura, Medizin, etc.) eine andere als die von denjenigen, deren einzige Praxis die Theorie selbst ist (Politologie, Philosophie, etc.). Andererseits gibt es auch viele Gemeinsamkeiten .... Wenn ihr aber bestimmte Vorstellungen habt, die sich nicht unbedingt gleich verallgemeinern lassen, ist dies noch lange kein Grund, sie geheimzuhalten - das Gegenteil ist der Fall.

Resigniert nicht nach dem Motto: mit unseren Vorstellungen können die anderen Studenten nichts anfangen, was solls,interessiert ja doch niemanden, oder gar: wir sind theoretisch noch nicht so weit, das Niveau ist vielleicht nicht hoch genug usw. Nonkonformismus und Phantasie ist erwünscht, während wir auf die langweiligen Synthesen der Ka-Gruppen, die sich Analysen nennen, gerne verzichten. Also, auf gehts, Kopf hoch und in der Mitte durchstarten! (ein bekannter ehemaliger Studentenführer): SCHREIBT, DICHTET, ZEICHNET, FOTOGRAFIERT, etc., daß es Spaß macht!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Selbstverfreilich werden wir (die Initiatoren) zu dieser Ausgabe auch etwas beisteuern!

Wir veröffentlichen diesen Aufruf der SHI (Sozialistische Hochschulinitiative), weil wir von einigen Mitgliedern dämm gebeten worden sind. Die SHI stellt mehrheitlich den bisher amtierenden AStA. Der nächste Diskus wird schon aus rechtlichen Gründen nicht in eigener Redaktion der SHI erscheinen: Wir werden allerdings für die auf diesen Aufruf eingehenden Artikel genügend Raum zur Verfügung stellen.