LOS ANGELES
Die Revolte in South Central L.A. erledigte Anfang Mai die Suche der Zeitungsredaktionen nach brauchbaren Schlagzeilen. Das Foto von Reuter, auf dem zu sehen ist, wie Schwarze einem am Boden kriechenden weißen Yuppie in den Arsch treten, ging wie ein Lied um die Welt. Für die Kommentatoren war, trotz eingestreuter Hinweise auf die spezifische Situation in Los Angeles und die Rezession in den USA der ursächliche Hintergrund die seit Jahrzehnten ungelöste „Rassenfrage”. In den Monatsmagazinen mußten dann die Stadtsoziologen und Musikjournalisten den „gewaltsamen Ausbruch” erklären allein mit sich und Baudrillard, einer Schallplatte von Public Enemy, einem Buch von Angela Davis und der Satellitenschüssel auf dem Dach. Die fundierteren Artikel bezogen sich fast ausnahmslos auf „City of Quartz” von Mike Davis, einem gut recherchierten Buch über die neuere Sozialgeschichte Los Angeles'.
Wir tun dies im folgenden ebenfalls, wenn wir mangels Kontakten vor Ort eine Pressesichtung vornehmen; damit ist wenigstens ein gewisser kritischer Informationsstand erreicht. Zum gleichen Thema folgen dann noch ein kleiner Erlebnisbericht, ein Interview mit Mike Davis, ein Text über die politische Bedeutung „schwarzer Musik" in den USA und ein Interview mit zwei Rappern.