Dass die Frage der Organisierung keine sekundäre ist, die der eigentlich wichtigen revolutionären Theorie äußerlich bleiben könnte, und dass überhaupt keine revolutionäre Praxis denkbar ist, die nicht wenigstens implizit auch die Organisationsfrage stellt, das hat Georg Lukács 1923 auch jenen revolutionären Linken ins Stammbuch geschrieben, die aus guten Gründen mit Lukács’ eigener Antwort auf die Organisationsfrage – mit der Partei – nichts anfangen können und wollen (Georg Lukács 1988: 452ff.).

Wenn auch die andere traditionelle Antwort auf die Organisationsfrage – die Räte – historisch fragwürdig geworden sind, wie wir an andere Stelle ausgeführt haben, dann ist guter Rat teuer (FuFdkG 2014: 78ff.). Insofern können wir, die Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft, die Initiative der Antifa Kritik und Klassenkampf zu einer erneuten Diskussion der Organisationfrage nur begrüßen.

In Eurem Papier Der kommende Aufprall. Auf der Suche nach der Reißleine in Zeiten der Krise geht Ihr einen weiten Weg, bevor Ihr aus breit ausgreifenden theoretischen und strategischen Überlegungen im letzten Absatz des Papiers praktisch-organisatorische Schlüsse zieht. Um zu einer ›politisch-strategischen Neuorientierung‹ der radikalen Linken jenseits von ›Event-Politik‹ und ›reiner Kritik‹ zu gelangen, wird zunächst ausführlich die aktuelle Krisendynamik unter die Lupe genommen. Mit den Thesen zur Krise, so wie sie in dem Papier vertreten werden, sind wir nahezu vollständig einverstanden. Dem folgt im Papier eine lange Auseinandersetzung mit dem Begriff der Klasse: von der strategischen Notwendigkeit, die »Träger_innen sozialrevolutionärer Veränderung« als handlungsmächtiges Subjekt zu bestimmen, bis hin zu einer Klärung der Begriffe Klassenkampf und Klassenbewusstsein. Auch mit diesen Erörterungen sind wir grundsätzlich einverstanden; die Kritik an der Zurückweisung des Klassenbegriffs durch das …umsGanze-Bündnis, deren Formulierung fürs organisatorisch-theoretische Selbstverständnis der AKK sicher ein wichtiger Schritt war, haben wir auch aus größerer organisatorischer Distanz sehr gern gelesen. Die Zuspitzung des Begriffs des Klassenbewusstseins auf den der »radikalen Bedürfnisse« hat uns sehr eingeleuchtet – vor allem auch deshalb, weil genau diese Zuspitzung eine theoretisch begründete Neuausrichtung aktueller Debatten um Care-Arbeit erlaubt, wie das Papier zeigt.

Nun können allgemeine Zustimmung und ostentativ betonte Gemeinsamkeiten – so hat das Hans-Jürgen-Krahl-Institut in seiner Kritik zu der Frankfurter Diskussionsveranstaltung des Aufprall-Papiers am 30.4.2015 hervorgehoben – in der Linken schon im Vorhinein fast als Garant dafür gelten, dass eine Diskussion folgenlos bleibt. Deshalb sollen im Folgenden nun drei Punkte des Dissenses markiert werden, die sich allesamt auf den letzten Abschnitt Eures Papiers beziehen, und hier eigentlich auch nur auf die letzten drei Seiten, in denen Ihr positiv einen Organisationsvorschlag unterbreitet – denn auch Eure Kritik an der vorherrschenden Event-Politik einer Linken, die jeden Kontakt zu der Lebenswirklichkeit der Proletarisierten (und zu ihrer eigenen Proletarität) verloren hat, teilen wir selbstverständlich.

Eure Vorschläge sind erfreulich konkret – und setzten sich damit sehenden Auges der Gefahr aus, angegriffen oder, wie Ihr schreibt, gar lächerlich gefunden zu werden. Lächerlich finden wir an Eurem Papier gar nichts; vor allem gefällt uns, dass Ihr nicht vollkommen geschichtsvergessen so tut, als könntet Ihr die ganze Organisationsfrage ganz neu erfinden. Wenn Ihr das Sozialistische Büro (SB) als Ansatzpunkt einer neuen Runde der Organisationsdebatte heranzieht, was auch wir – oder wenigstens einige von uns – prinzipiell oder potentiell ›fruchtbar‹ finden, sollte man aber vielleicht auch gleich bereits vorliegende Kritiken am SB und dessen Arbeitsfeldansatz mitdiskutieren. Denn ob das Versanden des SB im reformistischen Kleinklein tatsächlich nur oder auch nur vor allem dem konterrevolutionären Angriff nach 1977 geschuldet war, oder sich nicht auch den inneren Grenzen des Ansatzes selbst verdankte, ist doch wenigstens fraglich.

Insgesamt – das noch vorweg – hat uns Euer Organisationsvorschlag in gewisser Weise auch kalt erwischt. Natürlich schlagen wir uns in unserem engeren und weiteren Umfeld selbst mit Organisationsproblemen aller Art herum; eine irgendwie theoretisch gestützte Position dazu – also eben: ›Methodisches zur Organisationsfrage‹ – haben wir aber nicht anzubieten. Insofern können wir auch nur einzelne Kritikpunkte aufzeigen, die sich selbst aber nicht zu einem kohärenten Ganzen oder gar einem Gegenentwurf zusammenfügen. Und weil selbst die Punkte des Dissenses, die wir hier formulieren, innerhalb unserer Gruppe nicht alle von einem Konsens getragen sind, werden sie auch nur von Einem von den Freundinnen und Freunden der klassenlosen Gesellschaft unterzeichnet. Sie sind mehr als Einzelmeinung, weil alle innerhalb der Gruppe diskutiert, stehen aber eben auch nicht für eine Gruppenposition, weil wir eine solche an diesem Punkt nicht vorzuweisen haben.

Nun aber zu unseren Kritikpunkten:

 

1. Ihr stellt zutreffend fest, dass die epochale Krise, die das kapitalistische System in globalem Maßstab seit nun demnächst zehn Jahren chaotisiert, in Deutschland bisher keine neuen Kämpfe der Proletarisierten hervorgetrieben hätte, die der Krisendynamik adäquat wären. Die Kämpfe wiederum, die es trotzdem ja gab und gibt, blieben untereinander ohne Bezug und kämen – abgesehen von lokalen Unterstützungsaktionen – auch nie wirklich auf den Schirm einer radikalen Linken. Diese habe sich stattdessen darauf verlegt, sich ihre Krisenproteste in Form von Kampagnen und Aktionstagen gleich selbst zu erfinden (und sich dann den Kopf über deren Folgenlosigkeit zu zerbrechen).

Statt das Ausbleiben übergreifender Kämpfe und Proteste nun zu beklagen (und dann – was Ihr nicht tut, was aber für viele Linke in Deutschland immer noch plausibel zu sein scheint – auf den deutschen Sozialcharakter zurückzuführen), schlagen wir vor, erst einmal nüchtern zu analysieren, warum das so ist. Es gibt, wie Ihr selbst im Abschnitt über den ›Wettbewerbs- und Krisenkorporatismus‹ des DGB andeutet, offenbar immer noch genug gute Gründe, warum den meisten Prolet_innen in Deutschland ihr (relativ sicherer) Arbeitsplatz näher ist als die Not der Klassenbrüder und -schwestern in Griechenland.

In Eurem Papier klingt – negativ gebrochen – ein Organisationsoptimismus durch, den wir in Frage stellen würden. Das Fehlen einer übergreifenden proletarischen Kampfperspektive kann nicht bloß auf ein Strategiedefizit oder eine Organisierungsschwäche der Linken zurückgeführt werden. Das würde die Rolle überschätzen, die selbst eine gut organisierte Linke in einer Krise bestenfalls spielen könnte.

Statt also eine bloß organisatorische ›Vernetzung‹ voranzutreiben, müssen wir untersuchen, wie die Interessen und Bedürfnisse der einzelnen Klassensegmente und -fraktionen konkret ›vernetzt‹ sind: wie sie zusammenhängen, wo sie ineinandergreifen – und wo eben nicht. Statt einfach zu unterstellen, dass die Interessen und Bedürfnisse aller Proletarisierten schon qua Proletarisierung letztlich zusammengehen, müsste konkret aufgezeigt werden, wie und warum die Streiks der Prekären bei Amazon, die Kämpfe von Mieter_innen, die Proteste von Refugees und der Streik der Lokführer_innen tatsächlich konvergieren – und wo eben nicht. Mit einer solchen Klassenanalyse der Kämpfe und ihres Ausbleibens – eine Analyse, die auch im Hinblick auf die erstarkenden rechtspopulistischen und rassistischen Bewegungen von Nöten wäre – könnte das Wort ›Vernetzung‹ gut materialistisch geerdet und so auch vor einer Fetischisierung zum neuen Allheilmittel bewahrt werden.

Gegen alles ›Politisieren‹ der Krise und gegen die Suche nach immer neuen Subjekten der Revolte hat sich für uns bisher – leider, könnte man sagen – eher ein ultra-mattickistischer Objektivismus bewährt, der durchaus davon ausgeht, dass es nur die Krisenhaftigkeit des Kapitals selbst sein kann, die es den Prolet_innen irgendwann möglich machen wird, das Kapital zum Teufel zu jagen, dass diese Krisenhaftigkeit sich aber nur sehr begrenzt durch Interventionen beeinflussen oder forcieren lässt: weder keynesianisch-systemerhaltend noch sozialrevolutionär-systemsprengend. Wir sind uns im Klaren darüber, dass das jetzt arg defätistisch klingt. Was wir als eine radikale Linke tun können, ist daran mitzuwirken, dass sich proletarische Anspruchshaltungen in der Krise eher forcieren, statt sich mit dem Blick auf das Gesamtwohl vorauseilend immer schon zu mäßigen. Da es aber für die Proletarisierten vor allem auch immer um das eigene Überleben geht, sind auch diesem Impuls der Verschärfung enge Grenzen gesetzt, wenn sich gleichzeitig nirgendwo eine Perspektive über den bestehenden Schlamassel hinaus eröffnet. Eine solche Perspektive aber können wir – die wie auch immer bestimmte radikale Linke – jenseits unserer völlig marginalisierten Diskussionen gerade nicht anbieten, und wir tun gut dran, das klar zu sehen und offen einzubekennen.

 

2. Bei dem Drei-Schichten-Modell, das Ihr am Ende Eures Papiers vorschlagt, hapert es – das schreibt Ihr selbst, und deshalb stellt Ihr ja überhaupt auch nur Eure ›strategischen Überlegungen‹ an – schon auf der ersten Ebene, der Ebene der lokalen Kämpfe. Darüber hinaus aber stellt sich die Frage, was die überregionale Vernetzung und dann schließlich die Bündelung in einem Büro genau bringen sollen, bzw. welche der gegenwärtigen Mängel und Fehler damit genau behoben werden sollen. Liegt die Misere der Gegenwart wirklich darin begründet, dass den lokal Kämpfenden eine weitergehende Perspektive fehlt? Die Vorstellung von einer »chinesische[n] Mauer«, die es »zwischen isolierten Tageskämpfen einerseits [und] weitgespannten sozialistischen Zukunftsvorstellungen andererseits« gebe und die durchbrochen werden müsste (SB 1973: 11), scheint uns jedenfalls ein bisschen schematisch zu sein – und sie war es vielleicht auch schon 1973, als sie vom SB formuliert wurde. In den Mietkämpfen oder bei den Refugee-Protesten in Berlin in den letzten Jahren etwa war und ist es nicht so, dass die dort agierenden Leute bloß bis zu ihrem jeweiligen Tellerrand gucken. Bei den entsprechenden Veranstaltungen geht es vielmehr die ganze Zeit darum, wie entscheidend es wäre, die jeweiligen Kämpfe auf einen globalen Gesamtzusammenhang zu beziehen. Dass dieser Zusammenhang oft eher vermurkst hergestellt wird und auf modische Neoliberalismus-Schelte oder aber das Recycling eines modrigen Anti-Imperialismus hinausläuft, steht auf einem anderen Blatt. Dass wir bei solchen Gelegenheiten dann intervenieren müssen, steht außer Frage; ob die fälligen Interventionen allerdings wirklich in der Forderung nach einer weitergehenden Vernetzung oder der Eröffnung weitgespannter Perspektiven bestehen werden, oder nicht doch vielmehr im Kleinklein bärbeißiger (Ideologie-)Kritik, wäre zu sehen.

Bei anderen Kämpfen wird es sicher anders aussehen. Bei vielen betrieblichen oder Branchenkämpfen wird der Bezug auf eine weitere Perspektive noch deutlich eingeschränkter sein; da kämpft jede Branche, Belegschaft etc. pp. für sich, und auch von den Militanten der GdL war nix zu hören, was über die eigenen Arbeitsbedingungen hinausgegangen wäre – nicht mal die naheliegende Forderung, dass der Staat ordentlich Kohle in die Bahn stecken solle, weil die Autogesellschaft in den Umweltkollaps führt o.ä. (Da ändert natürlich nichts, dass wir die Militanz des Streiks gerade in D’land sehr erfrischend fanden, und die panischen Reaktionen der Gegenseite waren auch bezeichnend).

Aus dem Postulat der ›Vernetzung‹ und dem technologisch-informatorisch verkürzten Verständnis, das schon das Wort nahelegt, zieht die Linke oft die Konsequenz, sich selbst eine Art Postboten-Funktion zuzuschreiben: Informationen zwischen den Kämpfen sollen übermittelt, Erfahrungen geteilt, verstreutes Wissen gebündelt werden. Das mag für das SB und noch mehr für die AAU-E eine angemessene Umschreibung der eigenen Funktion gewesen sein, muss aber im Zeitalter des Internets – das zugegebenermaßen »für uns alle immer noch ein bisschen Neuland« ist, wie Homer Simpson zu Recht bemerkt hat – mehr und mehr obsolet erscheinen. Und Gilles Dauvé hat einmal darauf aufmerksam gemacht, dass schon im analogen Zeitalter jeder Knast über mindestens ein klandestines Nachrichtensystem verfügte. Auf linke Postbot_innen hat hier nie jemand gewartet. Wir sollten gerade dann, wenn wir den ›Sprung‹ hin zu ›utopischen‹ Praxis-Überlegungen wagen, unsere Aufgabe nicht zu gering veranschlagen. Es wird, schon beim ersten Schritt, mehr nötig sein als Vernetzung im Sinn von stiller Post.

 

3. Womit wir beim letzten und vielleicht heikelsten Punkt unserer Kritik wären. Die Kritik lässt sich auf die Frage bringen, ob es eigentlich immer und unbedingt richtig ist, Fragen der revolutionären Strategie als Organisierungsfrage, als Frage konkreter Organisierbarkeit zu diskutieren. Tut man dies nämlich, dann erscheint Organisierung bzw. die Organisation schnell als universeller Problemlöser.

Aus Angst davor, abstrakt-utopische Revolutionsfantasien zu produzieren und aus (historisch erfahrungsgesättigter) Scheu davor, in die Pose eines Feldherrn ohne Truppen zu verfallen, der am Schreib- oder Kneipentisch die Divisionen eines imaginären Weltproletariats dirigiert, vom dem er eigentlich gar nichts weiß, geht Ihr bei Euren »strategischen Überlegungen« immer von der eigenen Proletarisierung aus und fragt Euch dann, wie sich im dauernden Rückbezug auf diese ein Klassen- und Totalitätsbewusstsein entwickeln und organisatorisch institutionalisieren ließe. Das ist von der Grundbewegung natürlich sehr sehr richtig, und genau das würden wir allen Polit-Clowns und Event-Profis aus irgendwelchen linksradikalen Bündnissen und Kampagnen auch immer als richtige Herangehensweise entgegenhalten. Aber wenn die Grundbewegung – Rückgang auf die eigene Proletarisierung und die eigene Involviertheit in die Krisenprozesse, die man analysiert und bekämpft – wenn diese Grundbewegung einmal im eigenen Denken verankert ist, muss man auch wieder aufpassen, dass diese Bewegung nicht selbst fetischisiert wird, womit die eigentlich richtige Haltung dann wieder zur Fessel würde. Vielleicht sollten wir der Krahl’schen ›sozialrevolutionären Phantasie‹, die Ihr in Eurem Papier zitiert, auch mal (wieder) die Zügel schießen lassen; vielleicht sollten wir gemeinsam einmal (wieder) über revolutionstheoretische und revolutionsstrategische Fragen diskutieren, ohne uns gleich davon deprimieren zu lassen, welche Rolle die eigene kleine Prolet_innenexistenz und die eigene kleine Politgruppe dabei spielen könnte. Denkt man immer schon von der eigenen empirischen Situation als Individuum und Gruppe aus und erklärt dies allein zum Prüfstein des Realitätsgehalts der eigenen Strategien, dann drohen diese im Organisatorisch-Technischen stecken zu bleiben.1

Und wo wir schon über ›Reisepläne in Richtung Utopia‹ sprechen: Vielleicht sollten wir in unseren Strategiedebatten langsam auch einmal damit beginnen, auf der gegebenen historischen Entwicklungsstufe der Produktivkräfte und vom erreichten Grad möglicher Vergesellschaftung aus schrittweise den Inhalt von Chiffren wie ›Abschaffung der Lohnarbeit‹ und ›Selbstabschaffung des Proletariats‹ zu bestimmen. Vielleicht würde ein solcher kollektiver Reflexions- und Diskussionsprozess dann irgendwann – ›relative Hilflosigkeit‹ aller ›Schritt-für Schritt-ins-Paradies-Pläne‹ etc. – auch dabei helfen, die je eigene Rolle und Funktion auf dem Weg zur Revolution neu zu bestimmen.

 

Also: ›Vernetzung‹ als inhaltliche Klärung der materiell-stofflichen und politisch-ökonomischen Zusammenhänge, in denen wir stecken und die uns – und alle Proletarisierten, gerade in D’land – im Moment eher vom Kämpfen abhalten als uns in Kämpfe hineintreiben; und ›Vernetzung‹ als immer konkreter werdende inhaltliche Bestimmung unserer Strategien und Ziele, damit diese – eben etwa ›Abschaffung der Lohnarbeit‹ und ›Selbstabschaffung des Proletariats‹ – nicht irgendwann selbst wieder zu hohl-abstrakten Gaga-Forderungen wie Maximize Communism! oder ähnlichem werden. Wenn wir das so angehen und im Kopf behalten können, dann schieben wir als Gruppe gern auch Schichten im neuen Sozialistischen Büro.

 

Einer von den Freundinnen und Freunden der klassenlosen Gesellschaft, Berlin

 

*.lit

Lukács, Georg (1988): Methodisches zur Organisationsfrage, in: ders.: Geschichte und Klassenbewusstsein, Darmstadt/Neuwird: S. 452-513.

Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft (2014): Pannekoek in Bad Godesberg, in Mole Magazin Nr. 2, Leipzig: S. 78-83.

 

*.notes

  • 1. Das Dilemma, in dem man sich als Revolutionär_in hier bewegt, kann man in allen möglichen Varianten immer neu beschreiben. In den ›Thesen zur Krise‹ in Kosmoprolet 2 haben wir dafür Formulierungen gefunden, die uns immer noch passend erscheinen: »Die klaffende Lücke der Aufhebungsperspektive kann nicht durch Blaupausen für die klassenlose Gesellschaft geschlossen werden, die eine Handvoll Radikale aus den Schubladen ziehen. Die neue Gesellschaft muss sich in der Praxis der Lohnabhängigen abzeichnen. Da die Sozialrevolutionäre meist selbst Lohnabhängige sind, wissen sie, wie verflucht schwer dies zu bewerkstelligen ist [...]. Ihre Theorie ist andererseits mehr als passive Widerspiegelung der praktischen Bewegung, nämlich gedanklicher Vorgriff auf das noch nicht Existierende. In diesem Spannungsfeld irren die Sozialrevolutionäre umher, und soweit sie sich dessen bewusst sind und sich nicht blindlings auf die eine oder andere Seite des Gegensatzes schlagen, können sie vielleicht dazu beitragen, dass die sozialen Konflikte zu Klassenkämpfen eskalieren und die Commune in ihnen Gestalt annimmt.«